Junge Oper
Baden-Württemberg

MANIFEST

Story

(flüstert)

Ja, wir waren es.

Wir bekennen uns schuldig.

 

– Paukenschlag. Stille. –

 

(Kopf gesenkt, monoton)

Wir haben sie umgebracht. Die langen Szenen, in denen nichts passiert. Die Sprache, die keiner mehr versteht. Die Vorstellungen, die mit heute nichts zu tun haben.

 

(laut)

Ja, wir waren es. An unseren Händen klebt Blut.

 

– Lichter gehen aus. Stille. –

 

(Scheinwerfer gehen an. Blick nach vorne gerichtet, vorsichtig)

Doch in jedem Ende liegt ein neuer Anfang. Etwas Neues ist geboren. Im Süden Deutschlands. Die Junge Oper Baden-Württemberg.

 

(feste Stimme, emotional)

Wir lieben die Oper. Unsere Oper. Jung, wild und leidenschaftlich.

 (enthusiastisch)

Unser Opernabend begeistert. Es wird gespielt, gesungen, gefeiert und gelacht. Klingt nach Stadiongefühlen? Stimmt. Denn bei uns werden die letzten Kulturbanausen zu Opern-Ultras.

 

(offene Arme, laut) 

Unsere Oper ist für alle da. Für alle, die sich verlieben wollen für alle, die auf Intrigen, Knatsch und Prügelei stehen. Für alle, die sich von berauschender Musik fesseln lassen wollen. Für alle, die an den Türen des „das war so, ist immer so und wird immer so sein“ rütteln wollen. Für alle, die ihre Hoffnung an den Neuanfang noch nicht aufgegeben haben.

 

(vorne am Bühnenrand, Blick ins Publikum, freudig)

Wir sind dieser Neuanfang.

Oper ist das alte.

Oper ist das neue.

 

Lasst euch überraschen.

Forderungen

Die jo-bw führt die Oper aus der Komfortzone! Sie fordert die Oper zu Verhandlungen über vermeintlich unverhandelbare Grundgegebenheiten ihrer selbst auf.

 

Die jo-bw lässt junge Menschen die Oper als ihr Grundbedürfnis erkennen! Die Verjüngung ihrer Strukturen und Identitäten ist das oberste Ziel. Direkt neben Liebe, Wasser und Luft soll sie ihren Platz haben.

 

Die jo-bw nimmt der Oper ihre weihevolle Außenwirkung! Sie versagt der Institution ihren distanzschaffenden Glanz und ihre Exklusivität.

 

Die jo-bw verpflichtet sich dem Zuschauer! Sie verzichtet auf Belehrung und Bevormundung, sondern macht die Inspiration, die Emotionalisierung und die energetische Aufladung eines jeden durch den Vorstellungsbesuchs zu ihrem Ziel.


Die jo-bw sprengt die ritualisierte Form des Opernabends! Sie wertet den Vorstellungsbesuch zu einem entschlacken, partizipativen und inspirierenden Ereignis für jeden auf.

Die jo-bw spricht die Oper von der Behauptung frei, dass ihr Erfahren nur mit intellektueller Vorbildung möglich sei! Sie holt die Oper auf Augenhöhe an die Menschen heran – unabhängig von Lebensalter und Bildungshintergrund.

 

Die jo-bw fordert eine zeitgenössische Inszenierungspraxis! Sie holt die überzeitlichen und zutiefst menschlichen Inhalte historischer Werke in einen greifbaren und lebensnahen Kontext zurück.

 

Die jo-bw überwindet einen pietätlosen Arbeitsumgang! Sie erhebt den Respekt für die Autonomie, die eigene künstlerische Initiative und die körperlichen Grenzen aller Beteiligten zu einem nicht verhandelbaren Gesetz.


Die jo-bw widerspricht der stringenten Umsetzung der künstlerischen Vision eines Einzelnen! Sie fördert eine kollaborative Konsensfindung, enthierarchisierte Strukturen und kreative Problemlösung.

Prosa

I. Die Würde der Oper ist antastbar. 

 

Wir glauben daran, dass Oper kein unberührbares Heiligtum ist, 

Sondern angefasst und berührt werden muss.

Um eine ergreifende Interpretation einer Oper zu schaffen, 

Braucht es feine oder radikale Änderungen, 

Die bereits zur Zeit der Komponist*innen Gang und Gäbe waren. 

Eine Aufführung, die die Oper als Nachahmung ihrer Uraufführung zeigt, 

Ist nicht zu erreichen und bloß kitschig.  

 

Wir stehen ein für Fassungen und Inszenierungen, 

Die sich der Musik und dem Stoff respektvoll widmen,

Aber die nötige Schärfe und Aktualität einbringen, 

Um die Oper wieder zum Leben zu erwecken. 

 

II. An einem Strang ziehen. 

 

Die Arbeit im Team hat für uns einen hohen Stellenwert.

Wir arbeiten in flachen Hierarchien und begegnen uns auf Augenhöhe.   

Durch unsere unterschiedlichen Stärken und Interessen 

Ergänzen wir uns und lernen voneinander.

Als Bindeglied zwischen Studium und Berufswelt ist die  

Junge Oper ein Ort der kreativen Begegnung und Diskussion, 

Der Förderung und Herausforderung, 

Der Entfaltung und Selbstentdeckung. 

 

III. Unser Publikum mitten drin.  

 

Wir machen Oper zu einem Event, 

Das leidenschaftlich ist, das berührt und begeistert. 

Mit großer Spielfreude, mit Funken und Feuer 

Zeigen wir unsere gemeinsame Liebe zur Oper. 

 

Das eine (Opern-)Publikum gibt es nicht – 

Jede*r ist individuell und bei uns willkommen! 

Wir laden euch ein:

Lasst uns gemeinsam die Oper genießen, 

An ihr partizipieren und ein anschließendes Get-Together feiern!

Grundgesetz

Art 1

Die Würde der Oper ist antastbar. Es ist die Verpflichtung der Jungen Oper Baden-Württemberg, Menschen zu bewegen und zu berühren.

Art 2

Jede:r hat das Recht auf freie Entfaltung der individuellen Begabungen und Stärken, der Kreativität und künstlerischen Ausdrucksfähigkeit. Die Freiheit der Kunst ist unverletzlich.

Art 3

Menschen sind ungleich und das ist gut so. Harmonie und Reibung sind gleichberechtigt. Die Junge Oper fördert die Entstehung von Funken und Feuer, die uns gemeinsam für eine Sache brennen lassen.

Art 4

Die Freiheit zum Lachen, Weinen, Träumen und die Freiheit zu Wut, Rührung und Freude sowie die Freiheit, Fehler zu machen sind unverletzlich. Die ungestörte Emotionsausübung wird gewährleistet.

Art 5

Alle Menschen haben das Recht, ihre Meinung auf gleicher Augenhöhe in gemeinschaftlicher Konsensfindung und kreativer Problemlösung zu verbreiten. Ein Status Quo findet nicht statt. Die Diskurspflicht und das Erwecken von Leidenschaft werden gewährleistet. 

Art 6

Die Liebe zur Oper steht unter dem besonderen Schutz der Jungen Oper Baden-Württemberg. 

Art 7

Das gesamte Wesen menschlicher Emotionen und Erfahrungen steht unter der Aufsicht der Oper. 

Art 8

Alle Menschen haben das Recht, sich zu versammeln, um ritualisierte Rahmen zu sprengen und Altes neu zu denken.

Art 9

Alle Menschen haben das Recht, Begeisterung zu bilden. Opernabende ohne sträfliches Spiel, zuwiderlaufenden Gesang, verfassungswidriges Feiern oder gewaltige Stadiongefühle sind verboten. Das Recht ist für alle Opern-Ultras gewährleistet.

Art 10

Die Geheimnisse der Oper sind unbeschränkt für alle da. Für alle, die sich verlieben möchten, für alle, die auf Intrigen, Märchen und Träume stehen. Für alle, die sich von berauschender Musik fesseln lassen wollen. 

Art jo-bw

Die Junge Oper Baden-Württemberg verpflichtet sich, den Opernwohnraum kernzusanieren. Sie erweitert durch Unterhaltung, Aktualität und Lebensnähe den Horizont.